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Harz-Tour

Der Harz. Kleinod der Mittelgebirge. Meine Heimat. 🙂

Bis vor kurzem eine einzige große Ladewüste mit nur ganz wenigen Oasen mit nur kleinen Brunnen: 11kW in Goslar, 11kW in Osterode. Nicht wirklich tourentauglich, wenn man nach der Anreise nicht erstmal drei Stunden mit Laden verbringen will.

Während der Ostharz anscheinend das touristische Potenzial der Elektromobilität verpennt, regt sich aber nun was im Westharz: HarzEnergie hat gerade eine 22kW-Ladestation am Parkplatz Torfhaus errichtet. Die will ich mir anschauen und das gleich mit einem Verwandtenbesuch in Elbingerode (Harz) verbinden.

Hannover – Harz (bislang)

Die ersten paar Monate, als ich die ZOE neu hatte, bin ich gar nicht mit ihr in den Harz gefahren: Hin & zurück ist die Strecke ohne Zwischenladung zu lang und ohne Schnellladung mit mindestens 22kW vor Ort wird das an nur einem Tag sehr langwierig.

Dann kaufte sich Nik aus dem GoingElectric-Forum, der am nördlichen Harzrand wohnt, eine ZOE und installierte bei sich zu Hause eine 22kW-Ladestation. Diese stellt er privat Durchreisenden, die er kennt, zur Verfügung. Damit wurde er sofort für alle aus nördlicher Richtung kommenden E-Fahrer/innen das elektromobile Tor zum Harz. 🙂

Von mir zu Hause bis zu ihm sind es ca. 96 km. Das ist auch im Winter mit der ZOE locker zu schaffen. Dann dort ein knappes Stündchen aufladen reicht für weiter rein in den Harz, die benötigten Wege im Harz und den Rückweg bis zur Ladestation in Wolfenbüttel. Da nochmal nachgeladen komme ich dann entspannt bis nach Hause.

Torfhaus testen

Nun mit einer 22kW-Ladestation am Parkplatz Torfhaus wird der Harz schlagartig nochmal ganz anders elektrisch erreichbar und befahrbar.

Von mir zu Hause bis Torfhaus sind es knapp 130 km. Im Flachland würde ich das locker ohne Zwischenladung schaffen. Aber es sind über 700 Höhenmeter zu erklimmen. Das wird in einem Rutsch leider nicht gehen. Aber vielleicht reicht ja eine kurze Zwischenladung?

Ich muss da auf jeden Fall erstmal rauf und testen, was oben noch so im Akku übrig ist.

Tourenplanung

Ich beschließe, mich dem Harz und speziell Torfhaus von Westen her zu nähern. Dann kann ich nämlich gleich mal ohne allzu großen Umweg die ebenfalls erst kürzlich errichtete Kombiladestation in Einbeck in Augenschein nehmen und dort zwischenladen.

Von Einbeck aus dann über Bad Gandersheim und Clausthal-Zellerfeld hoch zur Ladestation Torfhaus, während des Ladens schön mit meiner Hündin spazieren gehen, danach zu meinen Verwandten in Elbingerode (Harz) und von dort aus abends über Wolfenbüttel wieder nach Hause.

Geplant, getan. Am Samstag, dem 6. September 2014 mache ich mich auf.

Hannover – Einbeck

Ich fahre über die B3, was sich als ungünstig herausstellt: Eine baustellenbedingte Umleitung nach der anderen macht die Fahrt länger als veranschlagt. Aber ich habe ja Zeit. 🙂

Gegen zwanzig vor Zehn erreiche ich den PS.Speicher in Einbeck. Die Kombiladestation fällt sofort ins Auge:

Elektroladestation Einbeck

Auffällig ausgeschildert, großer Parkplatz, alles frei – super.

Sooo müssen Ladestationen: AC, CHAdeMO und CSS bedienen alle gängigen Standards. Klar, die Leistung dürfte ruhig noch größer sein. Insbesondere für die DC-Fraktion wäre das Doppelte gerade richtig, und meine ZOE hätte auch nichts gegen eine Verdopplung der Ladeleistung einzuwenden.

Ich muss nichts freischalten, der Strom ist kostenlos (vielen Dank dafür) – ich wähle am Touchscreen der Ladestation die passende Elektronahrung für die ZOE (22kW AC),

Lademenü Einbeck

verbinde sie mit dem passenden Stecker der Ladestation (sehr bequem, da ich mein eigenes Ladekabel nicht erst auspacken muss)

Einbeck Ladestecker

und die Ladung beginnt.

ZOE startet um 9:40 Uhr bei 47% SOC und veranschlagt 40 Minuten Ladedauer. Ich laufe derweil eine Runde mit meiner Hündin.

Laden in Einbeck

Einbeck – Torfhaus

Dann kommt der spannende Teil. Um 10:17 beende ich die Ladung bei 99% und auf geht’s Richtung Torfhaus. Hier die Strecke:

Strecke Einbeck-Torfhaus

Rund 723 Höhenmeter auf ungefähr 75 km Strecke. Angenehm zu fahren, das Wetter ist schön, die Landschaft ein Traum. Um 11:40 Uhr bin ich oben.

Fahrprofil Einbeck-Torfhaus

Bei Ankunft zeigt die ZOE eine Restreichweite von 66 km an:

Display: Restreichweite am Torfhaus

Bei Ladebeginn sehe ich auch den SOC: 48% (siehe Ladeprotokoll weiter unten). Nicht schlecht für die erklommene Höhe.

Die Ladesäule lässt sich unkompliziert mit einer beliebigen RFID-Karte (alternativ: neuester Personalausweis) freischalten. Der Ökostrom ist derzeit kostenlos (sponsored by HarzEnergie). Vielen Dank dafür!

Während ZOE lädt, drehen wir wieder eine schöne Hunderunde.

Laden am Torfhaus

Leider hängen am Torfhaus die Wolken so tief, dass wir den Brocken nicht sehen können. Als wir die Hunderunde beenden, erwischt uns beinahe noch ein starker Regenschauer, aber wir schaffen es rechtzeitig ins Auto. Dem Ladevorgang macht Regen übrigens nichts, alle Kabelverbindungen sind wasserdicht.

Etwa zwanzig Minuten nach Zwölf breche ich den Ladevorgang bei 99% wieder ab und schaue mal auf den Zähler an der Säule:

Zählerstand Ladesäule Torfhaus

Links 13 kWh, rechts 17 kWh – süß. Da bin ich wohl noch einer der ersten, die hier laden gekommen sind. Ich hatte die ZOE auf der rechten Seite angestöpselt und den Zählerstand mal eben mehr als verdoppelt. 🙂

Torfhaus – Elbingerode (Harz)

Auf geht’s über Braunlage, Elend und Königshütte nach Elbingerode (Harz).

Torfhaus - Elbingerode (Harz)

Das sind ungefähr 30 km und es geht ca. 350 Höhenmeter herunter.

Als ich am Torfhaus losfahre, zeigt ZOE eine Reichweite von 141 km an.

Gegen 12:50 Uhr komme ich in Elbingerode an – und ZOE zeigt immer noch eine Reichweite von 141 km an. 🙂 Das ist effiziente Energieausnutzung und -rückgewinnung. Sowas geht mit keinem Verbrennungsmotor.

Fahrprofil Torfhaus - Elbingerode (Harz)

Ich verbringe einen angenehmen Nachmittag bei meinen Verwandten. Natürlich sind Elektroautos ein Thema, über das wir reden. Wir machen auch eine Probefahrt: Einmal kurz nach Drei-Annen-Hohne und zurück, das sind ca. 10 km. Das lautlose Dahingleiten und die Beschleunigung aus dem Stand beeindrucken. Ich habe ja sowieso das Elektromobilistenlächeln im Gesicht. 🙂

Gegen 18 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Eigentlich hatte ich vor, nochmal kurz in Ilsenburg vorbeizufahren, um die neue Ladesäule am Landhaus Rothe Forellen zu fotografieren. Aber dann habe ich doch keine Lust dazu, will lieber schnell nach Hause kommen.

Ich fahre über Wernigerode auf die B6 und dann auf die A395 Richtung Braunschweig. In Wolfenbüttel will ich nochmal zwischenladen. Aber als ich dann auf der B6 bin und meine Restreichweite so anschaue… Spaßeshalber ändere ich die Routenplanung und gebe direkt mein Zuhause als nächstes Ziel ein – und siehe da, die Strecke ohne den Schlenker über Wolfenbüttel ist 10 km kürzer als meine Restreichweite!

Na das sollte doch mit meinen Erfahrungen aus Hilden gar kein Problem sein, zumal es ja auch immer noch herunter geht. Ich beschließe also, ohne weitere Zwischenladung direkt nach Hause zu fahren.

Getreu dem Motto: „Langsamer ist schneller” (weil ich dann keine Ladepause machen muss) stelle ich den Tempopiloten auf 90 km/h und gleite entspannt in den Abend. Ein heftiger Regenschauer auf Höhe Ilsenburg lässt mich doch mal öfter zur Reichweitenanzeige schauen, aber noch vor der Auffahrt auf die A395 bin ich da raus. Den Rest der Fahrt genieße ich einen leicht verschleierten Sonnenuntergang.

Elbingerode (Harz) - Benthe

Persönlicher Reichweitenrekord

Kurz nach 20 Uhr komme ich mit 13% SOC und einer Restreichweite von 21 km zu Hause an. Der Tageskilometerzähler, den ich am Torfhaus genullt habe, zeigt 172,6 km. Da hätte ich ja fast die 200 knacken können. 🙂

Display ZOE Ankunft Benthe

Ja, was so ein bisschen Gefälle ausmacht. 😉

Fahrprofil Elbingerode (Harz) - Benthe

Die nächste Ladung bekommt meine ZOE am Sonntag früh.

Hier noch das Ladeprotokoll der Tour:

Ladeprotokoll Harz-Tour

Fazit

Die neue Ladestation am Parkplatz Torfhaus ist an einem der höchsten befahrbaren Punkte des Harzes genial platziert. Von dort aus ist praktisch der ganze Harz elektrisch ohne Reichweitenverluste erreichbar. Es geht ja in alle Richtungen nur bergab. 🙂

HarzEnergie baut bereits die nächsten 22 kW-Ladestationen in Herzberg und Braunlage. Dann werden elektromobile Harz-Touren wirklich komfortabel. Der Ostharz zieht hoffentlich bald mal nach. Wernigerode?!