ZOE-Import

Mitte November 2013. Eine neue Renault ZOE kostet in Deutschland in der Basisversion „Life” 21.700,- €. Die besser ausgestatteten Versionen „Intens” und „Zen” kosten 23.500,- €. Im Preis enthalten ist jeweils eine kleine Hausladestation inkl. Montage. Die schafft 3,7 kW – das verspricht nur Schnarchladung über Nacht. Muss man nicht nehmen. Der Preis reduziert sich dann um immerhin 1.100,- €. Dieses Geld ist vermutlich besser in eine mobile Ladebox und diverse Adapter investiert. Die kann man mitnehmen und damit zu Hause und unterwegs an CEE-Drehstromdosen wesentlich schneller laden. Las ich. Kommt man mit 1.100,- € noch nicht hin. Ist aber wesentlich flexibler.

Ich lasse diese Frage erstmal offen und widme mich möglichen anderen Bezugsquellen für eine ZOE. Gibt’s die vielleicht schon gebraucht? Scheint nicht so, ist noch zu neu. Wie sieht es denn mit Importen aus? Meinen Berlingo habe ich vor vier Jahren auch importiert, mit erklecklicher Differenz zum Listenpreis in Deutschland. Mal schauen…

In einem Onlineportal entdecke ich ein interessantes Angebot aus Frankreich: Eine weiße ZOE Intens, Vorführwagen, 50km Laufleistung, 6 Monate zugelassen, für nur 18.600,- € brutto inkl. Lieferung nach Deutschland. Nicht uninteressant.

(Die Franzosen meinen es mit der Elektromobilität offenbar ernster als die Deutschen. Während hier in Deutschland als einzige staatliche Förderung eine 10jährige Kfz-Steuerbefreiung winkt, bekamen Käufer einer ZOE in Frankreich bis Ende Oktober 2013 eine staatliche Prämie von 7.000,- €.

In der Folge entwickelte sich nicht nur der heimische Markt, sondern auch ein reges EU-Exportgeschäft. Dies führte wiederum zur Senkung der Prämie und zur Einführung einer Haltefrist. Seit dem 1.11.2013 beträgt die Prämie in Frankreich „nur” noch 6.300,- €, und alle Fahrzeuge, die nach diesem Datum in den Genuss dieses staatlichen Zuschusses gekommen sind, dürfen erst nach 6 Monaten oder mit mehr als 6.000km verkauft werden.)

Ich nehme Kontakt zum Anbieter auf. Erfreulicherweise stellt sich dieser als gebürtiger Deutscher heraus, so dass es keine Verständigungsschwierigkeiten gibt. Wir führen ein längeres und sehr angenehmes Telefonat. Die angebotene ZOE wurde praktisch nie aus dem Showroom eines kleinen Renault-Händlers in der französischen Provinz bewegt. Der Anbieter fungiert als Zwischenhändler, der auch den Export organisiert.

Wir überlegen, wie wir die Bezahlung abwickeln wollen. Ich könnte das Auto selbst in Frankreich abholen und dabei vor Ort bar bezahlen. Das ist mir jedoch zu aufwändig (Zeit, Trailer…) und ich möchte auch nicht mit so viel Bargeld durch die Gegend reisen. Die veranschlagten 500,- € für die Anlieferung nach Deutschland finde ich fair und bin bereit, diesen Betrag für meine Bequemlichkeit auszugeben.

Trotzdem bleibt das Problem der Bezahlung. Weder will ich eine so große Summe im Voraus für ein Auto, das ich nur auf Fotos gesehen habe, überweisen, noch möchte der Anbieter mir die ZOE nach Deutschland liefern, ohne schon Geld gesehen zu haben. Alles verständlich.

Ich recherchiere ein wenig und schlage die Nutzung eines Treuhandservices vor. Das würde im Wesentlichen so laufen: Wir machen einen Vertrag, ich überweise den Kaufpreis auf ein Treuhandkonto, der Treuhänder signalisiert dem Anbieter, dass das Geld eingegangen ist, der Anbieter schickt die ZOE auf die Reise, ich bestätige dem Treuhänder den Empfang des Wagens, der Treuhänder überweist dem Anbieter den Kaufpreis. Es fallen Transaktionskosten an, die aber akzeptabel sind.

Da aber weder ich noch der Anbieter Erfahrung mit einem Treuhänder haben, wird diese Idee nach einiger Überlegung verworfen. So ganz geheuer ist es dem Anbieter nicht. Statt dessen einigen wir uns auf folgendes Szenario:

Der Anbieter lässt die ZOE zu seinen Eltern liefern, die nördlich von Hamburg wohnen. Von dort hole ich sie ab und zahle bei Fahrzeugübergabe bar an die Eltern. Mein Abholaufwand wird mir mit 100,- € Preisnachlass versüßt. Eine Anzahlung von 500,- €, die die Transportkosten F → D abdeckt, überweise ich vorab. Fair und praktikabel.

Der Anbieter schickt mir einen Bestellschein, den ich stempeln, unterschreiben und zurücksenden muss, sowie eine Kopie des französischen Fahrzeugbriefs. Auch das deutschsprachige ZOE-Handbuch und die Bedienungsanleitung für das R-Link erhalte ich (als PDF).

Ich überweise die Anzahlung und erhalte einen Tag später vom Anbieter die Eingangsbestätigung. ZOE und Fahrzeugpapiere werden nun auf den Weg nach HH gebracht. Für die Anmeldung in D brauche ich später noch eine sog. COC-Bescheinigung (Certificate of Conformity). Diese muss der Anbieter erst bei Renault bestellen, das wird nochmal 14 Tage dauern. Er will sie mir dann sofort zuschicken.

Drei Tage später ist die ZOE in HH eingetroffen (es gab noch Verzögerungen auf dem Transportweg: Getriebeschaden des Zugfahrzeugs). Ich setze mich telefonisch mit den sehr netten Eltern des Anbieters in Verbindung und wir vereinbaren einen Übergabetermin.

Am 28.11.2013 fahre mit dem Zug nach Hamburg, werde komfortabel vom Bahnhof abgeholt und nehme am Wohnsitz der Eltern die ZOE in Augenschein. Sie ist vom Transport ziemlich verschmutzt, aber sonst brandneu. An den Türen und Sitzen sind noch Folien und Abklebungen angebracht. Der Kilometerstand ist 29.

Wir erledigen bei einer Tasse Tee die Zahlungsformalitäten und die Übergabe der Fahrzeugpapiere. Ich erhalte eine Mappe mit Informationen über die Anmeldeprozedur in Deutschland sowie Merkblättern zur Übertragung des Batteriemietvertrags und zur Aktivierung der Online-Services für das bordeigene R-Link-System. Alles sehr gut vorbereitet.

Auf geht’s zur Jungfernfahrt!

ZOE-Probefahrt

Immernoch November 2013. Nachdem das Elektroauto Renault ZOE auf meinem Radar aufgetaucht ist und innerhalb meiner Rahmenbedingungen ziemlich allein ganz oben auf meiner Liste steht, möchte ich dieses Auto natürlich baldmöglichst probefahren. Ich gehe auf die Renault-Website, da gibt es für diesen Zweck ein Formular, das fülle ich aus und schicke es ab.  Dann warte ich.  Nach zwei Tagen ohne irgendeine Rückmeldung rufe ich selbst beim nächstgelegenen Renault-Händler in Hannover an und habe noch am selben Nachmittag ein Rendezvous mit einer ZOE.

Es ist eine dunkle INTENS, farblich nicht mein Geschmack, aber das ist in diesem Fall ja nicht ausschlaggebend.

Was mir als erstes auffällt, ist der relativ große Kofferraum. Aber: Warum ist die Ladebordkante so hoch? Mein Citroën Berlingo hat die niedrigste Bordkante aller bislang von mir gefahrenen Wagen, und es gibt keinen Absatz, der Einstieg hinten ist flach. Trotzdem schafft unsere ältere Labradorhündin das nur noch mit Rampe. Die würde an der ZOE aber so steil stehen, dass ich zweifle, ob sie das bewältigt. Und jedes Mal 30kg rein- und rausheben ist nicht gut für meine Bandscheiben… Das gilt in abgeschwächter Form auch für Getränkekästen, die man erst über die hohe Kante wuchten muss, um sie drin gefühlt einen halben Meter tiefer wieder abzusetzen, in sehr rückenunfreundlicher und kräftehebelmäßig sehr ineffizienter gebückter Haltung. Hmmm. Was spricht eigentlich dagegen, eine Rückklappe einfach länger zu gestalten und dafür die Bordkante so niedrig wie möglich zu halten?

Die Lenkung empfinde ich als relativ stramm. Bei höheren Geschwindigkeiten fühle ich mich deshalb subjektiv durchaus sicherer, aber die zum Lenken nötige Kraft ist deutlich größer als bei meinem Berlingo und auch als beim C-Zero. Das nimmt dem Fahrgefühl das Legere und Leichte, das Lenken wird irgendwie so wichtig und ernst.

Aber das alles sind im Grunde Nebensächlichkeiten.

Das Fahrgeräusch ist Welten von den Geräuschen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor entfernt. Und das Fahrgefühl… Ich habe es mittlerweile schon oft versucht zu beschreiben, aber das Fahrgefühl in einem Elektroauto muss man selbst erleben, das entzieht sich einer adäquaten Schilderung. „Geschmeidig”, „sanft”, „kraftvoll” – von diesem vibrationslosen Dahingleiten und der sportlichen Agilität beim unterbrechungsfreien Beschleunigen kann man kaum genug bekommen.

Ich bringe die ZOE zurück und sinne eine Weile vor mich hin.

Irgendwie hab ich ein Deja Vu: Als ich 2000 ein Erdgas-Pionier war, waren die Tankmöglichkeiten auch rar, es gab ein ziemliches Bezahlkartenchaos und jede weitere Tour musste sorgfältig geplant werden. Wobei ich immerhin mit einem vollen Gastank 400km abreißen konnte. Oft stand ich auch vor nicht funktionierenden oder außerhalb von Öffnungszeiten nicht zugänglichen Zapfstellen. Dann konnte ich aber immerhin noch mit Benzin weiterfahren. Ja, so ein Multipla BiPower war schon ziemlich genial für ein Fossil.

Und jetzt frage ich mich: Will ich mir sowas wieder antun? Ich habe mich gerade an die komfortabel dichte LPG-Infrastruktur gewöhnt, da muss man nix mehr planen, sondern kann einfach drauflos fahren.

Von den Kosten will ich mal gar nicht reden. Ökonomisch machen die aktuellen E-Autos überhaupt keinerlei Sinn. Wer sparen will, kauft sich ein Fossil und kann von der Preisdifferenz locker die Tankstopps der nächsten Jahre bestreiten. Und weiter Ressourcen verschleudern und die Luft verpesten…

Aaaber, wenn nicht jetzt, wann dann? Mein Fossil verliert schneller an Wert als ein Preisverfall bei E-Autos zu erwarten ist. Die Schere wird also eher auseinandergehen, wenn ich das in meine Finanzierungspläne einbeziehen will.

Und wie komme ich im Urlaub von Hannover in mein geliebtes Osttirol? Ich will von 3 Wochen ja nicht je eine hin und zurück auf der Autobahn verbringen… Na gut, da findet sich sicher ein Nachbar oder Freund zum Autotausch.

Hach, das ist alles nicht einfach…

ZOE im Radar

November 2013. Unwiderruflich angefixt vom elektrischen Fahren (ich hatte im Oktober eine Woche lang einen Citroën Zero als Werkstattwagen) mache ich mich auf die Suche nach dem für mich passenden Elektroauto.

Ein C-Zero (baugleich mit Mitsubishi i-MiEV und Peugeot iOn, daher auch „die Drillinge” genannt) soll es nicht werden. Obwohl ich vom Fahrgefühl an sich begeistert bin, ist mir dieses Elektroauto zu spartanisch. Außerdem scheint mir eine Winterreichweite von 60km deutlich zu wenig – und es ist viel zu teuer. Alles oberhalb von 30.000,- € kommt gleich gar nicht in Betracht. Ein Tesla wird es also auch nicht.

Was brauche ich denn eigentlich? Ich schaue mir mein Fahrprofil an. Da ich mein Büro zu Hause und einen Bioladen gleich um die Ecke habe, fahre ich nicht jeden Tag Auto. Wenn ich fahre, dann selten mehr als 50km am Tag. Es gibt jedoch einige Fahrtziele, die weiter entfernt sind und die ich regelmäßig mehrmals im Jahr aufsuche. Die Entfernungen betragen zwischen 130 und 300km. Schließlich wäre da noch unser Urlaubsziel in Osttirol, das sind ca. 850km. Nur der Vollständigkeit halber.

Was gibt es noch zu beachten? Unsere mittlerweile betagte Labradorhündin soll bequem hineinpassen. Möglichst ohne dass ich ihre 30kg heben muss.

Ich lasse mir im Internet eine Liste aktueller Elektroautos anzeigen, sortiere diese absteigend nach Reichweite, streiche den Tesla Model S mit seinen 480km wegen finanzieller Unerreichbarkeit ganz oben raus und bleibe an einer immer noch sehr interessanten Zahl hängen: 210km nach NEFZ (Neuer-Europäischer-Fahr-Zyklus). Was ist das denn für ein Auto – aha, ein Renault, Modell ZOE, ziemlich neu, gibt es erst seit Juni 2013.

Mir ist natürlich klar, dass diese 210km im Alltag illusorisch sind. Für den Citroën Zero werden 150km nach NEFZ angegeben, davon hatte ich ja in meiner Testwoche gut 50km abziehen können, mit Heizung noch mehr. Also, was wird für die ZOE realistisch sein – 150km? Klingt doch schonmal gut. Besser als alles, was in dieser Fahrzeugklasse sonst noch verfügbar ist.

Aber wenn der Zero schon fast Dreißigtausend kostet, oh je, was wird wohl die ZOE… Moment, wie, was: ab 20.600,- € ? Jetzt wird’s interessant! Ah, der Antriebsakku muss gemietet werden, ab 79,- €/Monat. Das relativiert den Preis, aber sorgt für einen niedrigen Einstieg. Mit einem gemieteten Akku hat man auch keinen Stress, falls der mal kaputt geht.

Hmmm, hmmm, hmmm…

Was hat die ZOE denn noch so zu bieten? Ein „Chamäleon” Ladesystem, das Schnellladungen ermöglicht – bei 22kW Ladeleistung ist sie angeblich in einer Stunde wieder fast voll aufgeladen, bei 43kW sogar schon in 30 Minuten. Wo ginge das denn… Ich konsultiere ein Ladestellenverzeichnis im Internet. OK, 22kW-Ladesäulen sind anscheinend recht verbreitet und sogar zu Hause installierbar, 43kW kann man noch an einer Hand abzählen. Also: eine Stunde. Damit würden meine mittleren Ziele in 130-300km Entfernung mit max. einem Ladehalt in immer noch angemessener Zeit erreichbar sein. Und für den Urlaub lassen wir uns was einfallen.

Hmmm, hmmm, hmmm…

Wer kann denn noch schnellladen? Wie, niemand? OK, außer Tesla natürlich wieder (am Supercharger). Alle anderen brauchen entweder ein aufpreispflichtiges Zusatzmodul zum Schnellladen (z.B. Smart ED) oder nutzen dafür Ladestandards, für die es (noch) kaum Ladesäulen gibt (CCS / CHAdeMO). Die laden dann normalerweise an den Stationen nur mit reduzierter Ladeleistung oder an der guten alten Schukosteckdose – und das dauert 6-12 Stunden. Über Nacht OK, aber unterwegs?!

So, was haben wir bei der ZOE:

  • realistische Reichweite 150km
  • attraktiver Preis
  • mittelstreckentauglich dank Schnellladefähigkeit

Ich vereinbare eine Probefahrt.