Stromanbieterwechsel

Dezember 2013. Seit 2004 beziehen wir Ökostrom von Lichtblick. Aktuell zahlen wir da einen monatlichen Grundpreis von 8,95 €/Monat und einen Arbeitspreis von 27,48 Ct/kWh. Lichtblick hat angekündigt, ab März 2014 den Arbeitspreis auf 26,76 Ct/kWh zu senken.

Durch das Elektroauto wird unser Stromverbrauch künftig größer werden. Ich frage bei Lichtblick an, ob es spezielle Tarife oder Konditionen für den Ladestrom oder irgendwelche Förderungen für Elektrofahrzeuge gibt. Leider nein. Sehr schade und für mich ein bisschen unverständlich, die sind doch sonst ziemlich engagiert.

Ich frage mal im GoingElectric-Forum, was die anderen Elektromobilisten so für Stromanbieter gewählt haben (sofern sie nicht eigene Photovoltaikanlagen betreiben). Ziemlich schnell werde ich auf Naturstrom aufmerksam. Die haben vergleichbar günstige Konditionen (7,95 € mtl. Grundpreis und 26,95 Ct/kWh) und fördern Elektromobilität:

  • Jeder Neukunde, der im laufenden Kalenderjahr ein Elektrofahrzeug gekauft hat, erhält eine Umweltprämie in Höhe von 30,- €.
  • Für das Anbringen von Naturstrom-Aufklebern auf einem Elektroauto werden der Stromrechnung jährlich 100,- € gutgeschrieben. Ein Aufkleber auf einer Ladestation bringt nochmal 25,- € jährliche Gutschrift.

Ja wenn das so ist…

Das Antragsformular für den Wechsel ist schnell ausgefüllt. Um alle Formalitäten kümmert sich der neue Anbieter Naturstrom. Zum Stichtag muss ich nur den aktuellen Zählerstand an Lichtblick übermitteln.

Seit 1. Februar 2014 beziehen wir nun Naturstrom von Naturstrom.

Die Aufkleber erhalte ich einige Tage später per Post. Manche finden die für die Seiten sehr groß, aber für mich sind sie OK, denn dadurch wird die ZOE als Elektroauto kenntlich. Hinten verwende ich noch einen kleinen, der eigentlich für E-Bikes gedacht ist.

ZOE von hinten

Anmeldung in Deutschland

Am 4. Dezember 2013 erhält mein Verkäufer endlich die COC-Bescheinigung für meine ZOE von Renault Frankreich; am 6. Dezember habe ich sie in der Post.

Zulassung

Ich fahre mit meinem Berlingo zur örtlichen Zulassungsstelle. Dort lege ich den französischen Fahrzeugbrief, das COC, den Kaufvertrag und die eVB-Nummer meiner Versicherung vor. Mehr ist nicht erforderlich. Weder muss ich die ZOE vorführen noch vorher zum TÜV. Ruck-zuck sind die Zulassungsbescheinigungen ausgestellt und die neuen Nummernschilder angefertigt: H–ZE – für Zero Emission. 🙂

Umweltplakette

Ich brauche auch noch eine Umweltplakette. Für lokal ja per se emissionsfreie Elektroautos gibt es seltsamerweise keine eigene Kategorie, sondern ich erhalte eine schnöde grüne 4er Plakette. Bäh, wie langweilig.

Kennzeichen

Ab nach Hause und die Nummernschilder drangebaut! Vorn kein Problem, da habe ich ja den Rahmen. Hinten aber ist noch das französische Nummernschild angenietet. Ich schaue es mir kurz an und fahre dann zum Schrauber um die Ecke. Der braucht immerhin eine gute halbe Stunde, ehe das neue Nummernschild endlich angebracht ist. War wohl nicht ganz so einfach. Ich will gar nicht wissen, wie er die Nieten nun herausbekommen hat.

Nun kann ich mit der ZOE schon fahren!

Batteriemietvertrag

Als nächstes muss ich mit Renault Deutschland einen Batteriemietvertrag abschließen. (Wieso eigentlich immer „Batterie”? – Das ist doch ein AKKU!) Dazu nehme ich Kontakt mit der Renault Bank in Mönchengladbach auf. Wenige Tage später erhalte ich die Vertragsunterlagen. Als voraussichtliche jährliche Laufleistung wähle ich 12.500km und als Vertragslaufzeit 4 Jahre. Dies resultiert in einer monatlichen Rate für die Akkumiete von 79,- € (brutto). Ich unterzeichne und faxe den Vertrag an die Renault Bank. Am 13. Dezember schickt Renault ein gegengezeichnetes Exemplar zurück. Die Raten werden monatlich abgebucht, ich erhalte jedes Mal eine Rechnung per Post. Das war das.

Aktivierung der Online-Services

Nun müssen noch die Online-Services aktiviert werden. Na ja, was heißt „müssen”. Ich betrachte das mit gemischten Gefühlen. Die ZOE hat ein Mobilfunkmodul eingebaut, über das z.B. Informationen über die stattfindenden Ladungen an Renault gesendet werden. Eigentlich ist das ’ne eingebaute Wanze. Vollüberwachung, nie warst du so einfach. Versüßt wird das mit Gimmicks zweifelhaften Mehrwerts für die Fahrer/innen. In meinen Augen ist das ganze „Connect“ / „Inter@ctive“ genannte Gedöns aber im Grunde unnützer und überteuerter Driss. Rechne ich alles zusammen, komme ich nach Ablauf des freien Zeitraums auf insgesamt 307,- € Abogebühren im Jahr. Fast alles, was ich da abonnieren kann, bekomme ich ohnehin frei via Smartphone. E-Mail muss ich doch nicht im Bordcomputer lesen und schreiben können. Wettervorhersage, aktuelle Verkehrsinfo, Kalender, TV-Guide, Währungsrechner, Euronews… kann mein Smartphone schon alles, danke. Akkuinformationen auf’s Smartphone und Fernprogrammierung der Klimatisierung sind nett, aber geht auch ohne, oder? Dafür geb ich keine 25 + 89 = 114,- € im Jahr aus. Ist einfach nur eine zusätzliche Fehlerquelle und potenzielles Angriffsziel für Hacker. Ich werde es mal ausprobieren, aber die Abos dann auslaufen lassen und nicht verlängern.

Bevor ich was auslaufen lassen kann, muss es aber erstmal freigeschaltet werden. Ich rufe beim Renault Kundendienst an und erkläre mein Anliegen. Dass meine ZOE importiert ist, sollte eigentlich kein Problem darstellen (tut es aber dann doch).

Als erstes muss ein Renault-Händler das „Digital Pack” (36 Monate serienmäßig) für mich aktivieren. Dazu muss ein Servicevertrag abgeschlossen werden. Das ist eine reine Formalität, kostet nichts, kann aber nur vom Händler in deren System angelegt werden. Pro forma erhalte ich per E-Mail ein Vertragsformular als PDF geschickt, muss das aber nicht mal unterzeichnen. Der Händler teilt mir noch mit, dass er den Service „Renault Connect” für das angegebene Fahrzeug bei sich nicht aufrufen kann und fragt, ob meine ZOE vielleicht gar kein R-Link-System hat. Ich lasse das erstmal so stehen.

Auf der Renault-Website lege ich nun einen My-Renault-Account an und trage meine ZOE dort mit Fahrgestellnummer, Kennzeichen etc. ein.

Dann muss ich auf My Z.E. Online noch einen Account anlegen, um in den Genuss der für Elektrofahrzeuge spezifischen Fernüberwachungs- und -steuerfunktionen (Ladezustand, Vorklimatisierung, Ladetimer) zu gelangen. Das scheitert jedoch, weil der Aktivierungslink, den ich per Mail erhalte, jedes Mal nur zu einer Fehlermeldung führt. Nach einigen Telefonaten mit dem Kundenservice wird das Problem an den 2nd-Level-Support weitergegeben:

„Wie heute telefonisch besprochen haben wir versucht auf nationaler Ebene das Problem zu beheben, jedoch scheint im vorliegenden Fall ein tiefgründiges Problem in Verbindung mit Ihrem ausländischen Renault Zoe vorzuliegen. Wir haben den Sachverhalt daher an den entsprechenden 2nd-Level-Support weitergeleitet und werden uns bei Ihnen melden, sobald wir eine Antwort vorliegen haben.”

nationale Ebene”, „tiefgründiges Problem”, „ausländische Renault ZOE” – oh oh, das wird doch die bilateralen Beziehungen Deutschland-Frankreich hoffentlich nicht belasten?

Ich mache die Story jetzt mal kurz. Ursache für das Problem ist, dass die ZOE noch im französischen My-Renault-Account des Vorbesitzers angemeldet ist. Ich wende mich an den Händler, von dem ich die ZOE gekauft habe. Er recherchiert die Zugangsdaten für dieses Konto und teilt sie mir mit. Damit logge ich mich auf der französischen Renault-Website ein und irre mit meinem Schulfranzösisch und dem Google Translator so lange durch die Menüs, bis ich die passende Option für das Entfernen der ZOE aus diesem Account gefunden habe. Clic, weg ist sie.

Danach versuche ich nochmal, einen neuen My Z.E. Online Account für mich anzulegen. Wieder erhalte ich beim Anklicken des Bestätigungslinks eine Fehlermeldung. Diesmal ist der Fehlercode allerdings ein anderer. Hm. Ich rufe ein weiteres Mal den Kundenservice an. Der meint, nach Aussage vom 2nd-Level-Support sollte es jetzt funktionieren. Ich gebe spaßeshalber mal Benutzername und Passwort ein, ohne den Aktivierungslink zu bemühen. Et voilà – ich bin drin.

Jetzt kann ich per App vom Handy aus den Ladestand abfragen und die Vorklimatisierung einschalten. Wenn denn der Renault-Server funktioniert. Das tut er Anfang des Jahres 2014 nur bedingt. Große Welle im Forum. Ich nutze die Ladestandsabfrage nur selten und bei mir funktioniert sie jedesmal.

Jungfernfahrt

Es ist der 28.11.2013. Ich habe eine praktisch neue Renault ZOE Intens mit erheblichem Preisvorteil aus Frankreich importiert und hole sie nun aus Hamburg ab.

Die Importprozedur verlief soweit erfreulich reibungslos. Der Anbieter ließ die ZOE zu seinen Eltern liefern, wo ich sie nun gegen Bares im Empfang nehmen kann.

Da ich direkt mit der ZOE nach Hause fahren will, muss ich vorher noch einiges organisieren:

  • ein deutsches Ladekabel (das der ZOE beiliegende französische Kabel hat einen in Deutschland nicht einsetzbaren Stecker)
  • Kurzzeitkennzeichen (Die ZOE ist zwar noch zugelassen und kommt mit französischem Nummernschild, aber aus versicherungstechnischen Gründen will ich kein Risiko eingehen. Ab Fahrzeugübergabe bin ich für alles verantwortlich.)
  • eine Ladekarte für die von mir ausgesuchten auf der Strecke liegenden Ladestationen (Ohne Zwischenladung werde ich die rund 200km nicht schaffen.)

Ein in Deutschland einsetzbares Ladekabel (mit Typ 2 Stecker und geeignet für 3phasiges Laden mit 32A) bestelle ich eine Woche vorher bei einer darauf spezialisierten Firma im Internet. Standardlänge sind 6m. Ich denke voraus und kaufe ein 8m-Kabel. Im GoingElectric-Forum habe ich gelesen, dass Ladestationen sehr oft von anderen Fahrzeugen zugeparkt sind. Mit einem 8m-Kabel kann ich zur Not auch in zweiter Reihe laden. (Es wird sich bewähren.)

So ein Ladekabel kostet übrigens mal eben schlappe 442,- € (inkl. MwSt. und 10,- € Versand). Boah ey. Es gäbe wohl die Möglichkeit, das französische Kabel für ca. 190,- € in der Schweiz umrüsten zu lassen. Aber erstens habe ich dann nur 6m und zweitens nützt mir diese Möglichkeit auf der Abholfahrt nichts, denn da muss ich ja schon laden können. Also kaufe ich ein neues Kabel und werde das französische später verkaufen. So relativiert sich der Preis für das deutsche Kabel ein wenig.

Die Kurzzeitkennzeichen erhalte ich bei der örtlichen Kfz-Zulassungsstelle. Sie gelten für eine einzige Fahrt innerhalb von 5 Tagen. Auch Wochenendtage zählen. Der Zeitraum beginnt unabänderbar am Tag der Ausstellung. Ich muss Kennzeichen anfertigen lassen, die ich nach einmaligem Gebrauch wegwerfen soll. Eine Wiederverwendung ist nicht vorgesehen. Das könnte man auch mal sinnvoller regeln. Wer denkt sich sowas aus? Was für eine Verschwendung.

Von Hamburgs Norden bis Hannovers Südwesten sind es ungefähr 200km. Es ist Ende November, die Temperaturen liegen zwischen 6 und 8°C. Ich habe noch keinerlei Erfahrung mit der Reichweite eines Elektroautos wie der ZOE unter diesen Bedingungen. Daher plane ich nicht nur einen Ladestopp, sondern zwei und schaue auch nach Ausweichmöglichkeiten für den Fall, dass eine Ladesäule defekt oder zugeparkt sein sollte. Die erste Ladesäule, die ich anfahren will, befindet sich in Bispingen am Snow Dome. Strom gibt’s da noch kostenlos, aber um die Säule freizuschalten, benötige ich eine Ladekarte von EWE. Die beantrage ich fünf Tage vor der geplanten Fahrt an einem Samstagabend über ein Internetformular und frage dabei an, ob das denn so kurzfristig überhaupt geht. Tataa: Montag früh erhalte ich eine Mail von EWE:

„Gerne stellen wir Ihnen kostenlos eine Zugangskarte zur Verfügung. Da uns wegen der großen Nachfrage die Karten momentan leider ausgegangen sind und wir die Nachlieferung erst morgen erwarten, werden wir heute eine Karte aus unserem eigenen Bestand an Sie auf den Weg bringen. Diese Karte ist bereits benutzt worden, wird aber für Sie persönlich neu freigeschaltet.”

Wow, das nenne ich mal tollen Service! Die Karte ist dann doch erst am Donnerstag in der Post, aber ich muss eh noch auf das Ladekabel warten. Für die Karte gibt es notfalls eine Alternative (an der Snow Dome-Rezeption sind noch welche zum Ausleihen hinterlegt), aber ohne Kabel keine Zwischenladung, also gar keine Fahrt.

Trotz telefonischer Zusage trifft das Ladekabel nicht am avisierten Liefertermin Mittwoch bei mir ein. Schöner Mist, ich wollte am Donnerstag gleich früh losfahren, um noch bei Tageslicht wieder zu Hause zu sein. Daraus wird nichts.

Als das Kabel am Donnerstag endlich geliefert wird, ist es schon fast Mittag. Es ist dick und schwer. Ich rolle es so eng wie möglich zusammen und packe es in meinen Rucksack, zusammen mit der EWE-Ladekarte, einer Thermoskanne mit heißem Tee und einem Umschlag mit ziemlich viel Bargeld. Dann steige ich in den nächsten Zug nach Hamburg.

Ich werde von den sehr netten Eltern des Verkäufers von der S-Bahnstation abgeholt. In ihrer Garage nehme ich die ZOE in Augenschein. Bei einer Tasse Tee erledigen wir die Formalitäten. So, jetzt habe ich ein Elektroauto, eine Renault ZOE! Ohne lange Lieferzeit, mit einem Kilometerstand von 29 praktisch neu, viertausend Euro unter Listenpreis. Meine persönliche Verbrennungsmotor-Ära ist vorbei. Nie wieder Tankstelle! Da stellt sich das erste Mal dieses gewisse Elektromobilistenlächeln ein, das seither einfach nicht mehr weggehen will. 😀

Das Anbringen der Kurzzeitkennzeichen stellt sich als etwas schwierig heraus. Die französischen Nummernschilder sind angenietet (sie begleiten ein Fahrzeug dort ein Autoleben lang). Hinten können wir das Kurzzeitkennzeichen durch Auflegen auf das vorhandene Kennzeichen und Umwickeln der Enden mit transparentem Paketklebeband fixieren. Vorn löst sich das französische Schild samt Nieten aus dem Kunststoff, als ich die Ränder etwas nach vorn biege, um das Paketband anzubringen. Ich nehme es ganz ab und fahre zum nächstgelegenen Renault-Händler, der sich freundlicherweise bereit erklärt hat, mich vor der Heimfahrt nochmal aufladen zu lassen. Sehr nett. Im Trinkgeld inbegriffen ist das fachgerechte Anbringen eines Kennzeichenrahmens vorn, so dass jetzt beide Kurzzeitkennzeichen da sind, wo sie sein sollen.

Der Akku der ZOE hat einen Ladestand (SOC = engl. State of Charge) von 79%. Bis zur EWE-Säule in Bispingen sind es knapp 80km. Da muss also noch etwas drauf. Wir verbinden mein mitgebrachtes Ladekabel mit der Ladebuchse in der ZOE und dem Anschluss an der Ladestation. ZOE zeigt „Prüfung läuft…” Ich halte den Atem an. Dann stellt sich ein dezentes hohes Sirren ein und der SOC springt auf 80% – sie lädt, sie lädt!

Die Ladezeit nutze ich für eine erste Erkundung des R-Link genannten Bordcomputers. (Ich werde noch viel Zeit und Nerven an dieses System verschwenden.) Das erste Fahrtziel einzugeben (Snow Dome in Bispingen) geht dank Touchscreen viel flotter von der Hand, als ich es von meinem alten System gewohnt bin. Allein schon das Tippen auf der virtuellen Tastatur ist viel bequemer und spart enorm viel Zeit.

Mittlerweile wird es langsam dunkel. Ich warte daher nicht, bis der Akku voll ist, sondern breche den Ladevorgang bei 95% ab. Das sollte locker für 80km plus etwas Reserve reichen. Tut es auch, aber es wird dann aus anderen Gründen doch ziemlich knapp.

Ich fahre los. Sehr vorsichtig im leistungsbegrenzenden ECO-Modus und mit Klima auf 20°C. Vorsorglich habe ich mich warm angezogen, und auch das ist gut so.

Auf der Autobahn halte ich eine Geschwindigkeit von 90-96 km/h und staune, dass ich dabei von LKW per Lichthupe von hinten bedrängt und sogar überholt werde. Eine völlig neue Erfahrung. Klar kann die ZOE schneller fahren (135km/h sind drin), aber dann verbraucht sie deutlich mehr und ich will auf der ersten Fahrt nichts riskieren. (Das nennt sich Reichweitenangst.) Ich genieße die Ruhe und das sanfte Dahingleiten, habe aber immer ein Auge auf der Restreichweitenanzeige.

Eine knappe Stunde später komme ich mit einer angezeigten Restreichweite von 35km in Bispingen am Snow Dome an. Mein Wahrnehmungsvermögen ist noch nicht auf Ladesäulen trainiert. Die sehen auch so verdammt unscheinbar aus. Viele halten sie für Parkscheinautomaten. Nach kurzer Orientierung entdecke ich sie. Prima, die Parkbucht davor ist frei.

Die Säule signalisiert Betriebsbereitschaft. Fein. Ich packe mein Ladekabel aus und halte meine EWE-Karte an den Lesepunkt unterhalb des Säulendisplays. Es macht schwach „Piep”. Mehr tut sich nicht. Die Klappen über den Anschlüssen gehen nicht auf. Das Display zeigt keine Fehlermeldungen irgendwelcher Art. Ich versuche es noch ein paar Mal. Jedesmal macht es schwach „Piep”. Die Klappen gehen nicht auf. Na toll. Das fängt ja gut an.

Auf der Säule steht die Nummer eines Störungsdienstes. Ich rufe dort an. Mein Gesprächspartner ist sehr nett, aber teilt mir mit, dass der Fachkollege leider nicht zu erreichen sei. Ich solle es mal mit einer der im Snow Dome an der Kasse hinterlegten Karten versuchen.

Die Damen an der Kasse sind auch nett und von meinem Ansinnen zunächst leicht überfordert. Ich erkläre geduldig, worum es geht. Nach einigem Herumtelefonieren verschwindet eine der Damen kurz und kommt dann mit zwei Ladekarten in der Hand zurück. Ich probiere beide: „Piep” – die Klappen gehen nicht auf.

Oooh-Kayyy. Dann Plan B. 16 km weiter gibt es am Designer Outlet Soltau eine RWE-Säule. Mit einer Restreichweite von 35km eigentlich kein Problem. Irgendwie verwirrt mich aber die noch unvertraute Streckendarstellung im Navi und ich verpasse prompt die richtige Autobahnausfahrt. Bis zur nächsten Wendemöglichkeit sind es etliche Kilometer. Als ich endlich auf der Gegenfahrbahn bin, staut sich da der Verkehr und es geht nur im Schritttempo voran. Ich werde nervös. Die Säule am Outlet befindet sich auf einem Parkplatz, der nur bis 20 Uhr befahrbar ist. Die Uhr zeigt 19:45. Die Restreichweite schrumpft. Soll die erste Fahrt wirklich gleich mit der Renault Assistance enden?

Mit 12km Rest komme ich kurz vor 20 Uhr an der Ladestation an. Puh. Ich nehme die Säule in Augenschein. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Klappen über den Ladeanschlüssen lassen sich einfach manuell öffnen. Ich schließe mein Ladekabel an. „Prüfung läuft…” Yeah! Sie lädt! Aaaaaber: Laaaaaaangsam. Statt 22kW scheinen hier nur 11kW Ladeleistung abgegeben zu werden. Na gut, was bleibt mir übrig. Bin ja froh, dass es überhaupt funktioniert. Ich frage einen Wachdienstmenschen, wie lange ich hier eigentlich stehen kann, der Parkplatz wird ja gleich geschlossen. Bis 22 Uhr kann ich noch rausfahren, danach bleiben die Schranken unten. OK, das sollte für die nächste Etappe reichen.

Von hier aus nach Hause sind es noch gut 100km. Das traue ich mich nicht auf einen Rutsch zu fahren und will lieber nochmal zwischenladen. Mit 22kW ist das sinnvoll nur in Celle möglich (die Ladestation in Langenhagen ist noch nicht aufgestellt). Bis Celle sind es ungefähr 50km. Also brauche ich mindestens 60% SOC, beschließe ich.

Es sind 6°C Außentemperatur. Gut, dass ich warm angezogen bin und heißen Tee dabei habe. Es gibt zwar eine Klimaanlagen-Komfortfunktion, die die ZOE im Stand auf angenehme Innentemperatur bringen kann, aber diese funktioniert erst ab 45% SOC und muss mit einer Stunde Vorlauf programmiert werden. Offenbar haben die Renault-Ingenieure den Fall, dass jemand im Winter beim Laden im Auto sitzen bleiben könnte, nicht vorgesehen. Die Aktivierung dieser Funktion für sofortigen Einsatz erfordert einen Trick, den ich erst später aus dem Forum erfahre. Per Fernbedienung lässt sich die Heizung lediglich für jeweils 5 Minuten einschalten. Aber auch das funktioniert erst ab 45% SOC. Leider erinnere ich mich falsch und meine gelesen zu haben, dass es mindestens 70% SOC sein müssen. Also probiere ich es gar nicht erst und harre ohne Heizung aus. Ich Held. Ich Verrückter. Ich vergesslicher verrückter Held.

Um mit 11kW wieder auf 60% zu kommen braucht die ZOE gut anderthalb Stunden. Dann stöpsele ich das Ladekabel aus und fahre über Landstraße nach Celle. Das sanfte ruhige Gleiten durch die Nacht ist toll und entschädigt mich etwas für die lange Ladezeit in Soltau. Zudem ist es dank Wärmepumpe wenige Minuten nach Fahrtbeginn im Auto wieder angenehm temperiert.

In Celle fahre ich zur Ladestation an der Cu Netz Verwaltung in der Sprengerstraße. Hier endlich funktioniert alles problemlos: Ich rufe eine Telefonnummer an, die auf der Säule steht, und die Ladung startet mit 22kW. Nach der gerade erlebten Schnarchladung kommt mir das richtig schnell vor. Im Minutentakt zählen die SOC-Prozente hoch. Nach einer dreiviertel Stunde bin ich auf über 90% und beende die Ladung. Nun reicht es locker bin nach Hause.

Kurz vor Mitternacht komme ich an. Alles in allem ab Ladebeginn beim Renaulthändler knapp 7 Stunden für 200km. Meine Liebste ist entsetzt.

Ich bin müde, vom elektrischen Fahren an sich total begeistert, von den Ladekomplikationen etwas frustriert.

Das ist Autofahren 2.0. Neues Major-Release, aber die Punkt-Nuller-Version hat noch ein paar Bugs.