Ladehemmung

09.10.2016

Eigentlich ist es doch unglaublich, was wir an Entwicklung in der Akkutechnologie für Elektroautos gerade erleben: Eine Verdopplung(!) der Akkukapazität in nur knapp 4 Jahren – bei gleicher Baugröße und fast gleichem Gewicht!

Mit dem neuen 41kWh-Akku katapultiert Renault die ZOE reichweitenmäßig auf Platz 2 hinter Tesla. For the time being. Mit 300km echter (Sommer-)Reichweite kann man nun endlich mit der ZOE problemlos auf Langstrecke gehen.

Oder?

Länge ist nicht alles

Keine Frage, bei allen Strecken unter 300km kann die alte 22kWh-ZOE gegen die neue nicht punkten: Nach ca. 150km muss sie nachgeladen werden, das kostet Zeit, ungefähr 40 Minuten an 43kW AC.

(Ich rede hier von der „ganz alten” ZOE, der „Q210”-ZOE, die bis zu 43kW AC Ladeleistung verkraften kann. Die etwas neuere „R240”, im Handel seit 2015, wurde ja leider auf  max. 22kW Ladeleistung begrenzt.)

Und jetzt runzelt mal alle mit mir zusammen die Stirn: Die neue 41kWh-ZOE „R400” kann auch nur mit max. 22kW geladen werden! Zumindest in Deutschland. Ich erkläre das gleich. Zunächst aber fahren wir mal ein Vergleichsrennen:

Q210 vs. R400

Wer kommt schneller voran und eher an? Das hängt natürlich von der Länge der zu fahrenden Strecke ab.

Unser Rennen findet im Kopf unter vereinfachten Idealbedingungen statt. Also beide ZOEs fahren mit Akkus im optimalen Temperaturbereich konstant 100km/h. Die benutzten Ladestationen liegen genau dann, wenn eine benötigt wird, direkt am Weg, sind frei, funktionieren und liefern die jeweils maximal mögliche Ladeleistung, auch gleichzeitig für beide Fahrzeuge. Geladen wird immer bis 99%. Wir kalkulieren großzügige 40 Minuten für eine 43kW-Ladung des 22kWh-Akkus und knappe 2 Stunden für eine 22kW-Ladung des 41kWh-Akkus.

Auf die Plätze, fertig, los!

Meinedamenundherren, lehnen Sie sich zurück, stellen Sie sich einen Timer, machen Sie einen Mittagsschlaf: Die ersten anderthalb Stunden passiert praktisch nichts Aufregendes – beide ZOEs liegen exakt gleichauf.

150km

Für die Q210 wird nach 150km ein erster Ladehalt erforderlich. Sie lädt mit 43kW 40 Minuten lang und kann erst dann weiterfahren.

Die R400 fährt ohne anzuhalten weiter.

300km

Nach 3 Stunden Fahrt braucht die R400 ihren ersten Ladehalt. Sie hat 40 Minuten Vorsprung, kann aber nur mit max. 22kW laden – das dauert 2 Stunden. 5 Stunden nach dem Start kann sie also von hier weiterfahren.

40 Minuten nach der R400 kommt auch die Q210 hier an und muss ebenfalls (wieder) laden, was mit 43kW wieder 40 Minuten in Anspruch nimmt. Sie kann aber bereits nach insgesamt 4 Stunden und 20 Minuten von hier weiterfahren (3h Strecke + 2 x 40Min. Ladezeit). Damit hat sie jetzt die Nase vorn: 40 Minuten Vorsprung vor der R400.

Spannend. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

450km

Die Q210 muss wieder 40 Minuten nachladen. Insgesamt hat sie bis hierher 5 Stunden und 50 Minuten gebraucht. Nach 6:30h setzt sie die Fahrt fort.

Die R400 hält hier nicht und fährt durch. Sie hat bis hierher 6:30h gebraucht.

Nach 450km liegen beide ZOEs also wieder gleichauf!

600km

8 Stunden nach dem Start kommen beide Fahrzeuge an der 600km-Marke an. Hier müssen beide wieder laden.

Die Q210 ist nach insgesamt 8:40h wieder unterwegs.

Die R400 setzt erst nach insgesamt 10h ihre Fahrt fort, fast anderthalb Stunden später.

750km

Ankunft Q210 nach insgesamt 10:10h. Weiterfahrt nach 10:50h.

Ankunft R400 nach insgesamt 11:30h. Sie kann wieder durchfahren, aber die Q210 ist schon längst weg.

Fähr jemand noch weiter an einem Tag? OK, einen Streckenabschnitt gucken wir uns das noch an:

900km

12 Stunden und 20 Minuten nach den Start erreicht die Q210 die 900km-Marke und könnte nach insgesamt 13h mit vollem Akku weitere 150km fahren.

Die R400 trudelt erst nach 13 Stunden hier ein, 40 Minuten später als die Q210. Lädt sie hier voll, kommt sie erst 15 Stunden nach Beginn dieses fiktiven Rennens weiter, wäre aber fit für die nächsten 300km.

Rennauswertung

Ich komme zu folgenden Schlussfolgerungen:

  1. Im Nahbereich bis 150km nehmen sich beide Fahrzeuge nichts.
  2. Mittlere Entfernungen zwischen 150 und 300km absolviert die R400 schneller, weil sie keine Ladepause benötigt.
  3. Sobald bei der R400 mindestens eine weitere Vollladung erforderlich wird, hat sie praktisch keinen Zeitvorteil vor der Q210 mehr.
  4. Je länger die Strecke, desto später die R400.

Entscheidend ist natürlich, ob man für den letzten Abschnitt der zu fahrenden Gesamtstrecke immer noch eine Vollladung benötigt. Ist die Gesamtstrecke z. B. nur 450km lang, muss eine R400 bei 300km ja nicht 2h lang voll geladen werden, da reicht dann eine Stunde Nachladung. Insofern muss man das differenziert betrachten.

Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die im Vergleich zur Q210 doppelt so große Akkukapazität der R400 auf Langstrecke keinen Vorteil bringt – wegen der geringeren Ladeleistung. 22kW-Ladung ist bei so großem Akku nämlich bereits wieder nur Schnarchladung.

Die Frage ist also: Wozu ist der 41kWh-Akku denn dann überhaupt gut? Eine Art Placebo gegen irrationale Reichweitenangst?

Akkukapazität und Ladeleistung

Hohe Akkukapazität mit geringer Ladeleistung zu kombinieren scheint mir relativ sinnfrei zu sein. Der Nutzeffekt selteneren Nachladens wird durch die längeren Ladezeiten wieder eliminiert. Ich rede hier immer nur von Langstrecke, wohlgemerkt.

Aber wofür sonst soll ein dicker Akku schließlich gut sein, wenn nicht für Langstreckenfahrten?

Renault, ich verstehe es nicht.

OK, weniger oft laden zu müssen bedeutet andererseits auch ein geringeres Risiko, auf eine defekte, besetzte oder zugeparkte Ladesäule zu treffen. Wenn ich auf Strecke nur zwei Mal statt vier Mal laden muss, kann ich Glück haben und gerade die zwei funktionierenden Ladesäulen erwischen. Aber sonst…?

Schneller!

Ah, mir fällt doch noch ein Vorteil eines fetten Akkus ein: Ich kann schneller fahren, ohne dass die Reichweitenanzeige zu bald nervös wird. Also auf Autobahnen auch mal dreistellige Geschwindigkeiten. Da verbrate ich dann zwar jede Menge mehr Energie, komme aber trotzdem noch irgendwie an. Verstehe. Das mag tatsächlich ein Anwendungsfall sein. Nix für Energiesparer, aber…

Motoren und Ladeleistung

Die Ladeleistung ist bei den ZOE-Versionen vom jeweils verbauten Motor abhängig, da dieser Teil des Ladesystems ist: Die alten Q210-ZOEs haben einen Motor von Conti („Q90”) und können 43kW AC, die neuen ZOEs haben eine Renault-Eigenentwicklung („R90”) und können nur noch 22kW AC.

Nicht in Deutschland

Und jetzt, Meinedamenundherren, halten Sie sich fest, schnallen Sie sich an: Man kann die neue 41kWh-ZOE auch mit dem Conti-Motor und damit mit 43kW AC Ladeleistung bestellen!

Nur nicht in Deutschland.

Österreich, Niederlande – kein Problem.

Deutschland? Nö.

Hä?

Andere verstehen das auch nicht, fragen bei Renault Deutschland nach und erhalten folgende Antwort (Quelle):

In Deutschland bieten wir seit Mai 2015 ausschließlich den R90 Motor an, der entweder in Kombination mit der bisherigen Batterie (22 kWh mit 240 km Reichweite nach NEFZ) oder der neuen Z.E. 40 Batterie (41 kWh mit 400 km Reichweite nach NEFZ) angeboten wird. Dieser Motor kann an einer 43-kW-Ladestationen aufgeladen werden, nimmt aber im Vergleich zum Vorgänger eine Leistung von maximal 22 kW auf. Die maximale Ladeleistung wurde auf 22 kW reduziert, aber der Wirkungsgrad verbessert, so dass sich die Ladezeiten bei schwacher Ladeleistung verkürzt haben.

Goutieren Sie mit mir dieses geniale Marketing-Neusprech. So wird aus einer Verschlechterung eine Verbesserung! Alles nur eine Frage geschickter Formulierung.

Wirkungsgradverbesserung bei schwacher Ladeleistung? 20 statt 24 Stunden an Schuko? Wenn es sowieso nicht drauf ankommt? Wow. Dafür muten sie einem 2h Ladezeit unterwegs zu, wo es drauf ankommt?

Das ist ja wie:

„Dieses Fahrzeug kann auf einer Autobahn fahren, aber im Vergleich zum Vorgänger nur mit max. 60km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 60km/h reduziert, aber der Wirkungsgrad verbessert, so dass sich die Reichweite bei unter 5km/h verlängert hat.”

Hat da jemand ’ne Verschwörungstheorie?

Akku-Upgrade

Es soll ja auch in Deutschland möglich sein, alte Q210er (und R240er) per Upgrade mit dem größeren 41kWh-Akku auszurüsten. Macht man das mit einem Q210er, hat man die sinnvollste Kombination: fetter Akku und Schnellladung mit 43kW. Damit kann man dann auch hierzulande fröhlich auf Langstrecke gehen. Jedenfalls dort, wo es 43kW-AC gibt. Und die gibt es z. B. an jedem Triple-Lader, die gerade entlang der Autobahnen aufgestellt werden.

Fazit

Hohe Akku-Kapazität ohne adäquate Schnelllademöglichkeit bringt keinen Vorteil auf Langstrecke.

Renault Deutschland bietet aus unerfindlichen Gründen die neue 41kWh-ZOE nicht mit dem schnellladefähigen Motor Q90 an. Da haben sie ein Ass im Ärmel und spielen es nicht aus. Muss man nicht verstehen.

Tipp: Gebrauchte Q210-ZOE kaufen und den Akku aufrüsten.

Nachtrag 14.10.2016

User moxl aus dem GE-Forum hat eine sehr übersichtliche Vergleichsgrafik des Langstreckenzeitbedarfs der verschiedenen ZOE-Versionen erstellt:

Langstreckenzeitbedarfs der verschiedenen ZOE-Versionen

Er geht hier von Ladungen 0-80% aus und schreibt dazu:

„Ich habe mal die Grafik erstellt mit 30 min Ladezeit für den Q210 und einer Reichweite von 154.5km für den R240 und 146.5 km für den Q210. Unter der Annahme von gleichem Verbrauch, aber 1.2kWh mehr in der Batterie beim R240. Jetzt ist der Q210 genauso schnell wie der neue Q90, nur lädt er halt öfters. Immerhin ist deutlich zu sehen, dass der R90 besser ist als der R240. Die 700 km schafft er in 2 Stunden weniger Fahrzeit. Auch darunter liegt er fast immer eine Stunde vor dem R240.” (Quelle)


Artikelbild oben: © Superingo

Echte 300

29.09.2016

 

Die Katze ist aus dem Sack. Renault stellt beim Pariser Autosalon 2016 die neue Version des Elektroautos ZOE vor („ZOE Z.E. 40”): mit 41kWh-Batterie für 300km echte Reichweite (400km nach NEFZ).

Damit könnte ich die Strecke Hannover–Berlin ohne Zwischenladung fahren, zumindest im Sommer.

Die Karte oben zeigt einen 300km-Radius um Hannover. Zugegeben, Luftlinie, aber trotzdem beeindruckend. Ist das was? Das ist was!

Höhere Batteriekapazität bei gleicher Größe

Laut Eric Feunteun in einem Interview der WirtschaftsWoche wird die größere Reichweite vollständig durch die höhere Batteriekapazität erzielt. Der Clou: Die neue Batterie ist exakt genau so groß wie die alte; das Gesamtgewicht der neuen ZOE steigt aber nur um 20kg.

Dann müsste doch…? Genau!

Retrofit / Upgrade kommt

WiWo: Viele Fahrer eines Zoe der ersten Generation werden sich wünschen, die Batterie gegen ein Exemplar der jüngsten Generation tauschen zu können. Wird das möglich sein?
Feunteun: In der Tat wollen wir die nicht bestrafen, die früh an unser Konzept geglaubt und das Auto gekauft haben. Wir werden ihnen deshalb in Zukunft ein Upgrade anbieten – entweder für die Batterie oder für das Auto.

WiWo: Wie soll das geschehen?
Feunteun: Man kann eine neue Batterie ordern und in seinen aktuellen Zoe einbauen. Oder sie können zu sehr attraktiven Konditionen das ganze Auto tauschen.

(Quelle)

Und die Konditionen sind?

Eric Feunteun twitterte am 29.09.2016 als Antwort auf „Please give me an upgrade for my one year old ZOE!”:

of course. It will be available in spring 2017 for 3500e…

Es scheint also, als könne man die alten ZOEs für 3.500,- € mit der neuen Batterie ausrüsten lassen.

Das könnte einen sehr attraktiven Einstieg in die Elektromobilität geben: eine alte ZOE gebraucht für um die 12.000,- € kaufen, neue Batterie für 3.500,- € rein – und man hat für nur 15.500,- € einen Elektroflitzer mit 300km Reichweite! Wenn da mal nicht die Gebrauchtwagenpreise steigen…

Batteriemiete steigt

Die Renault-Bank hat die neuen Tarife veröffentlicht, zumindest für Neufahrzeuge steigt künftig die Batteriemiete etwas an. Beispiel: Für eine ZOE Z.E. 40 sind bei einer jährlichen Laufleistung von 12.500km nun 89,- € (statt jetzt mit alter ZOE 79,- €) zu zahlen. Weitere Varianten kann man im Tarifrechner der Renault-Bank einsehen.

 

Nach fest kommt ab

13.09.2016

Vor etwas über zwei Jahren war ich noch voller Elektroauto-Endorphine und Missionierungsdrang. Entsprechend habe ich damals meine ZOE mit Stickern und Folienbeschriftung praktisch zugeklebt. Ein besonderer Eyecatcher war Mr. Spock mit dem Spruch

I cannot see the logic in burning an ending supply of fossil fuels for mere transportation.

So sah es aus:

ZOE mit Spock-Sticker

Nachdem ich nun zwei Jahre lang an roten Ampeln im Rückspiegel die Mimik und Lippenbewegungen der hinter mir Stehenden beobachtet habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: alles Kappes. Interessiert keinen.

Vielleicht ist die Sprachhürde zu hoch, oder es hapert generell mit dem Lesen (besonders von Verkehrszeichen, sehr gern hinsichtlich Tempolimits und Halteverboten), ich weiß es nicht.

Was hat mich damals motiviert? Ich schaue in mich rein, und was sehe ich da: mein Ego. Das wollte cool sein, hip sein, auf jeden Fall besonders sein (Mutter: „Der Junge war schon als Kind anders.“) – und natürlich die Welt retten. Daran ist nichts verkehrt! Aber mein Missionierungsdrang hat deutlich nachgelassen. Meine Liebste sagt immer:

Ziehen am Keimling fördert nicht das Wachstum.

Je länger ich lebe, desto besser verstehe ich das. Und was habe ich auch erwartet? Dass jeder, der meine gesammelten Heck-Statements liest, sofort ein Satori hat, auf die Knie fällt und von diesem Moment an nie wieder einen Verbrennungsmotor anlässt? 😉

Widerspruchsgeist, dienstbar gemacht

Weil ja derzeit 50 Jahre Star Trek gefeiert werden, folge ich meinem antizyklisch agierenden Widerspruchsgeist und entferne Spocky samt Spruch gerade jetzt von der Heckschürze meiner ZOE.

Na gut, das ist nicht der einzige Grund. Bald wird es wieder kalt, und die momentanen Temperaturen um die 30°C schaffen günstige Ausgangsbedingungen, um die Folie auch ohne Fön abzubekommen.

A propos 50 Jahre Star Trek. Da kommen Kindheitserinnerungen. Ich bin ja im Osten aufgewachsen. Zwar in der Nähe der Westgrenze, aber wir empfingen mit unserer Fernsehantenne auf dem Dachboden aus unerfindlichen technischen Gründen kein ZDF. Unsere Nachbarn hatten ZDF. Also bin ich als 7- oder 8-Jähriger immer zum „Raumschiff Enterprise“-Gucken zu unseren Nachbarn gegangen. Sowas war damals ganz normal – ich klingelte einfach und fragte, ob ich „Raumschiff Enterprise“ gucken könne. Dann saß ich bei unseren Nachbarn im Wohnzimmer vor dem Schwarzweiß-Fernseher und war eine halbe Stunde nicht mehr ansprechbar. Aber ich schweife ab. Wo war ich? Ach ja, beim Widerspruchsgeist.

Der Gedanke, das Heck meiner ZOE mal ein bisschen übersichtlicher zu gestalten, indem ich Spocky und seinen fiktiven Spruch wieder entferne, ist schon einige Wochen in meinem Geist präsent. Allein, da ist noch jemand präsent, und zwar gleich im Doppelpack: Faulheit und Trägheit. Boah, sagt die Faulheit, was ’ne Scheißarbeit das wird. Jeden Buchstaben mühsam einzeln abkratzen. Komm, sagt die Trägheit, lass lieber gemütlich auf’m Sofa abhängen und Schokolade essen. Der ganz normale Tamas-Zustand eben.

Und jetzt kommt ein genialer Trick, den ich neuerdings immer (öfter) anwende, wenn Faulheit und Trägheit mich von etwas abhalten wollen: Ich wecke meinen Widerspruchsgeist. Was, sagt der, ihr wollt mich von etwas abhalten? Lächerlich! Und ZACK! wird, was immer zu tun ist, angegangen. Wichtig ist, dass das sofort passiert. Sofort, in derselben Sekunde, musst du in die Handlung kommen, aufstehen, losgehen, es zu tun beginnen. Der Witz ist: Es funktioniert. Und je öfter ich so reagiere, desto leichter fällt es mir. Irgendwann wird, so hoffe ich, gar keine innere Auseinandersetzung mehr stattfinden müssen und Faulheit und Trägheit werden aus meinem Leben verschwunden sein. Bestimmt!

So, genug der Vorrede, jetzt mal konkret:

Die Folienschrift entfernen

Um Sticker, Aufkleber, Klebefolien wieder zu entfernen, ist Wärme hilfreich. Die macht den Kleber geschmeidig. Versuch bloß nicht, im Winter draußen eine Folienschrift vom Auto abzubekommen. Hab ich ein Mal gemacht. Der blanke Horror. Mit dem Stromverbrauch vom Fön hätte ich meine ZOE vermutlich vollladen können.

Deshalb nutze ich die Gunst des Wetters, parke ZOE den ganzen Tag mit dem Heck in der Sonne und setze mich am Abend mit Klapphocker, Getränk, Plastikkarte und Geduld vor Spocky und seinen Spruch.

Zum Ablösen der Ecken der Folienbuchstaben eignen sich Plastikkarten sehr gut. Sie haben relativ scharfe Kanten, sind aber weich genug, um keine Kratzer im Lack zu hinterlassen, wenn sie im richtigen Winkel angesetzt werden.

Da ja in letzter Zeit erfreulicherweise das Ladekarten-Roaming immer weiter um sich greift, kann man z.B. eine nicht mehr benötigte RFID-Ladekarte verwenden. Ich setze aber noch einen drauf und krame so lange in einer Schublade, bis ich eine alte Erdgas-Tankkarte gefunden habe. Die diente mir zwischen 2000 und 2010 dazu, meinen Multipla BiPower selig mit Erdgas zu befüllen. Nun darf sie Spocky von meinem Elektroauto kratzen helfen.

Ich will nichts beschönigen: das dauert. Die Folie ist sehr dünn. Nur selten kann ich die Ecke eines Buchstabens so gut anlösen, dass ich einen Zipfel packen und den Buchstaben relativ zügig abziehen kann. Am Stück schonmal gar nicht. Oft bleibt mir nur, den ganzen Buchstaben abzuschaben, Millimeter um Millimeter. Eine wunderbare Geduldsübung.

Folienschriftentfernung

Es dauert anderthalb Stunden, dann ist die Folie ab. Aber der Kleber ist größtenteils noch dran. Es sieht ziemlich krass und nach nochmal viel Arbeit aus:

Klebereste der Folienschrift

Klebereste Folienschrift Detail

Die Klebereste entfernen

Ich gehe erstmal rein, um im Internetz zu recherchieren, wie man die Klebereste am besten und möglichst schonend entfernt. Tausend Tipps buhlen um meine Aufmerksamkeit. Von Nitroverdünner bis Olivenöl ist alles dabei. Verdünner hab ich nicht, würde ich auch nicht nehmen (Lack und Verdünner, ein Traumpaar), Olivenöl… weiß nicht so recht. Schmiert das nicht? Was steht da noch? Orangenreiniger?

Sowas haben wir. Riecht gut. Das probiere ich mal.

Ich nehme einen Haushaltsschwamm, gieße vorsichtig so 1-2 Esslöffel Orangenreiniger drauf und befeuchte damit die Klebereste. Etwas einwirken lassen und dann abspülen stand in dem Tipp. Aber noch während ich mit dem Schwamm über die Silhouetten von Spocky und Schrift wische, sehe ich, wie diese verschwinden. Phänomenal!

Orangenreiniger hat Klebereste entfernt

Ich lasse den Orangenreiniger trotzdem noch 10 Minuten einwirken und wische dann mit einem sauberen Schwamm und klarem Wasser nach. Et voilà:

Zustand der Heckschürze nach Klebefolienentfernung

Perfekt sauber! Klebefolie rückstandsfrei entfernt!

Dif-tor heh smusma, Spocky!