Harz-Tour im Mai

21.05.2019

Ein warmes, sonniges Mai-Wochenende lockt uns wieder mal in den Harz. Mit der neuen ZOE R110 und ihrem 41kWh-Akku ein reines Vergnügen. Ich vermelde: Erfreuliche Ladeleistung und neuer Reichweitenrekord. 🙂

Auf dem Beitragsbild sieht er unspektakulär aus, aber der kleine Zipfel da ungefähr in der Mitte ist tatsächlich der Brocken. Handy-Fotos geben halt nicht wirklich viel her. Egal.

Großer Akku = entspanntes Reisen

Der große 41kWh-Akku der neuen ZOE macht richtig viel aus, was den Reisekomfort angeht. Mit dem 22kWh-Akku meiner alten Q210 war Wernigerode von Hannover aus gerade so ohne Angst zu erreichen; im Winter riskierte ich lieber nichts und lud unterwegs in Salzgitter kurz nach.

Die neue R110 muss nicht einmal voll geladen sein, um in den Harz aufzubrechen. Halb voll würde bis Wernigerode schon reichen. Von der Fast-Vollladung am Supermarkt vor 3 Tagen sind noch drei Viertel übrig. ZOE zeigt über 200km Restreichweite an. Da muss ich vor der Abfahrt noch nicht mal mehr meine mobile Ladebox auskramen und die ZOE an der heimischen CEE-Dose vollladen. Wir können einfach los.

Überhaupt lade ich derzeit kaum noch zu Hause. Fast immer nutze ich Ladesäulen an Supermärkten der Umgebung, entweder kostenlos oder mit entsprechender Ladekarte günstiger als daheim. Der Akku wird dabei selten voll, muss er aber auch nicht. Es ist immer genügend drin für mein Fahrprofil.

Wandern im Wald

Wir fahren zunächst von Hannover aus direkt durch nach Elbingerode (Harz) und wandern dort zu einer kleinen versteckten und wunderschönen Talsperre mitten im Wald. Nach dem extrem trockenen Sommer im letzten Jahr hat sie sich wieder schön gefüllt. Der nächste Sommer kann kommen. 🙂

Wir sitzen eine Weile an der Staumauer und genießen Ausblick und Stille. Still im Sinne von „kein Zivilisationslärm“. Die Talsperre liegt so abgelegen, dass keinerlei Straßenlärm zu hören ist. Nur gelegentlich dringt aus der Ferne und gedämpft durch kilometerdicken Wald sanftes Dampflok-Tuten der Harzquerbahn. Und die Vögel singen wie verrückt.

Hach. Zum Augenblicke möcht ich sagen: Verweile doch, du bist so schön.

Dort, wo wir sitzen, hat jemand eine Bierflasche liegen lassen. Wir nehmen sie mit, um sie in den nächsten Papierkorb zu verfrachten. Es gibt allerdings weit und breit keine Papierkörbe oder Abfallbehälter. Wir umrunden die ganze Talsperre, aber finden keine Gelegenheit, die olle Pulle loszuwerden.

Wir bieten dabei folgendes Erscheinungsbild: Meine Liebste trägt unseren Rucksack, ich laufe neben ihr, in der einen Hand die Bierflasche, in der anderen eine Bananenschale. Wie in „der Macho säuft sich einen und seine Alte muss den Rucksack schleppen“. Ich, der ich gar kein Bier trinke. Die Blicke der uns Entgegenkommenden auszuhalten ist eine schöne Übung, um innerlich weiter an der Überwindung meiner „Was sollen denn die Leute denken?“-Erziehung zu arbeiten. Bei manchen Entgegenkommenden habe ich allerdings den Eindruck, wir böten einen vertrauten Anblick.

Bauhaus-Mutterhaus

Nach unserer Waldwanderung schauen wir uns noch ein Architektur-Kleinod an: das Mutterhaus in Elbingerode.

Ich darf verraten, dass ich hier als Kind im Schwimmbad direkt unter dem Kirchsaal schwimmen gelernt habe.

Wernigerode

Anschließend fahren wir wieder nach Wernigerode hinunter, um dort etwas zu essen und währenddessen die ZOE aufzuladen. Wir wollen danach noch weiter, einmal quer über den Harz auf die Westseite.

Erfreulicherweise haben die Stadtwerke Wernigerode schon vor einiger Zeit ihre beiden problematischen alten Siemens-Ladesäulen durch moderne 22kW-AC-Mennekes-Säulen ersetzt. Da klappt das Laden auch von ZOEs nun ohne Probleme – und der Ladestrom wird noch immer kostenlos abgegeben. Danke, Stadtwerke!

Wir fahren zur Ladesäule am Katzenteich. (Oh je, schreckliche Assoziationen stellen sich ein, aber ist ja auch gegenüber vom Schlachthof, nicht minder schrecklich.) Die Säule ist frei, wir stöpseln die ZOE ein. Freischalten lassen sich die Wernigeröder Säulen mit einer beliebigen RFID-Karte, ich nutze dafür meinen Personalausweis.

Ladeleistung

Ich stecke meinen CAN-Bus-Adapter* an und schaue mal mit CanZE, was die R110 bei den schon fast sommerlichen Temperaturen so an Ladeleistung annimmt. Ah, endlich sehe ich da mal akzeptable Werte:

Der Akku ist bei Ladebeginn noch zu einem Drittel voll, hat im Mittel 21°C und es kommen von den von der Säule angebotenen 21,9kW im Akku 20,5kW an. Vieeel besser als die Schnarchladungen im Winter.

ZOE meint, sie bräuchte gut 2 Stunden zum Laden. Passt.

Veggie-Essen in WR

Wir gehen vom Parkplatz aus in die Innenstadt. Ist ja nicht weit, kaum eine Viertelstunde zu Fuß. Am Marktplatz mit seinem berühmten und wirklich sehr schönen Rathaus steppt erwartungsgemäß der Bär. Unser Ziel ist das „Casa Vita“ in der Marktstraße.

Wir haben lange gebraucht, um in Wernigerode ein Restaurant zu finden, das gutes vegetarisches und sogar veganes Essen anbietet, welches nicht nur aus pampigen Aufläufen oder einfallsarmem Dünstgemüse besteht. Die traditionelle Harz-Gastronomie hat es nicht so mit derlei kulinarischer Exotik. Das Alibi-Veggie-Gericht auf den Speisekarten – wenn überhaupt angeboten – ist meist nur sehr bedingt genießbar.

Vom Casa Vita waren wir schon bei unserem letzten Besuch angenehm überrascht. Diverse vegetarische und vegane Gerichte abseits der Mainstream-Küche machen die Auswahl durchaus schon schwierig. Wir entscheiden uns diesmal für genau die gleichen Gerichte wie beim letzten Mal und sind wieder begeistert von Geschmack und Qualität. Da gibt es also eine Kontinuität. Vielen Dank, Casa Vita, wir hoffen sehr, ihr könnt euch halten!

Kein DC-Schnelllader in WR

Für unsere ZOE nicht relevant, aber für die meisten anderen Elektroautos ein Muss unterwegs: Gleichstrom-(DC)-Schnelllader. E-Autos mit DC-Lademöglichkeit haben meist nur einen schnarchladefähigen AC-Bordlader verbaut. Mit einem solchen Fahrzeug wäre eine Tour wie unsere jetzt praktisch undurchführbar. Eine Zwischenladung an AC von zwei Stunden reicht da nämlich nicht, um nennenswert Reichweite nachzuladen, das dauert erheblich länger.

Leider hat es Wernigerode – und überhaupt der ganze Ostharz – trotz zweier bereits veranstalteter Runder Tische Elektromobilität bislang noch nicht geschafft, einen DC-Schnelllader aufzustellen. Wie ich hörte, schrecken wohl die Investitionskosten ab. Ein solcher Lader würde aber auf einen Schlag die Region zum endlich befahrbaren Ausflugsziel zahlreicher Reisender machen, die schon mit ihren elektrischen Hufen scharren.

Mal kurz überschlagen: Abzüglich diverser Förder- und vielleicht Sponsorengelder bliebe vielleicht ein Finanzbedarf von sagenwirmal 50.000,- € zu stemmen. Wenn die Existenz eines solchen DC-Laders dazu führt, dass jede Woche 10 Elektroautos zusätzlich anreisen und dabei von den Reisenden jedesmal (nur) 100,- € in der Region ausgegeben werden, sind das im Jahr 52 x 10 x 100 = 52.000,- €. Also ich als Tourismusbeauftragter wüsste, was ich täte.

Reichweite 300+

Als wir vom Essen zurückkommen, hat unsere ZOE gerade ihre Ladung beendet. Punktlandung. An der anderen Seite der Ladesäule steht jetzt ein BMW i8, sieht man selten.

Das ZOE-Display zeigt erstmals nach einer Vollladung mehr als 300km Reichweite an:

Sooo. 😀

Erdbeeren?

Wer sich übrigens schonmal gefragt hat, woraus eigentlich Erdbeeren gemacht werden: Da gibt es verschiedene Verfahren. In dieser Bude am Straßenrand von Hasserode wird eine regionale Spezialität angeboten:

Schade, schon zu. Und wir hätten den Spargel für 6 € genommen. 😉

Harzquerung

Weiter geht’s. Wir fahren jetzt quer von Nordost nach Südwest durch den Harz, einmal rauf und wieder runter, von Wernigerode nach Braunlage, dann an der Sösetalsperre entlang nach Osterode bzw. in ein Dorf nahebei.

Start bei ca. 220m ü. d. M., höchster Punkt 830m, unser Zielort liegt auf ca. 120m.

Ich liebe das Fahren in den Bergen. Es ist unglaublich effizient. Was wir bergauf an Energie verbrauchen, kommt bergab zum großen Teil wieder durch Rekuperation herein. Heute sogar zum allergrößten Teil.

Wir fahren in WR mit einer Restreichweite von 304km los, legen eine Strecke von 64,5km zurück und kommen mit 303km Restreichweite an:

Da ist das Schätzeisen natürlich sehr optimistisch und glaubt offenbar, es würde weiterhin im Wesentlichen bergab gehen. Fast 370km Reichweite wären ein Traum, sind aber unrealistisch.

Reichweitenrekord

Es wird realistischer und dennoch beachtlich. Von Osterode aus cruisen wir später mit „Autobahnen meiden“-Navi-Einstellung entspannt über Land nach Hause in unser Dorf bei Hannover.

Hier das Display bei Ankunft:

Nach insgesamt knapp 204km seit Abfahrt in WR werden noch 135km Restreichweite angezeigt. Macht 339km Reichweite. Kann hinkommen, wenn ich die restlichen km nicht zu nassforsch mit dem Strompedal bin.

Und hey, wir haben unterwegs nicht laden müssen und beim Laden in WR keine einzige Minute warten müssen.

Yippie! 😀


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